Die adhäsive Kapsulitis ist eine Entzündung der Gelenkkapsel des Schultergelenks. Die Kapsel zieht sich zusammen und verklebt, das Gelenk verliert Beweglichkeit. Betroffen sind meist Menschen zwischen 40 und 65 Jahren, Frauen häufiger als Männer. Ein erhöhtes Risiko haben Menschen mit Diabetes sowie bestimmte Schilddrüsenerkrankungen.
Die drei Phasen
- Freezing (Einfrierphase): starke Schmerzen, zunehmender Bewegungsverlust, nachts besonders stark
- Frozen (Steifheitsphase): weniger Schmerzen, aber deutliche Bewegungseinschränkung
- Thawing (Auftauphase): Beweglichkeit kehrt langsam zurück, häufig nicht ganz zum Ausgangsniveau
Insgesamt kann eine Frozen Shoulder viele Monate bis mehrere Jahre dauern. Bei einem großen Teil der Betroffenen bessert sich die Beweglichkeit im weiteren Verlauf deutlich, teils auch ohne aufwändige Intervention. Konkrete Prognosen sind aber immer individuell und sollten mit der orthopädischen Praxis besprochen werden. Wichtig ist, in jeder Phase die passende Strategie zu wählen.
Freezing-Phase: Schmerzkontrolle steht im Vordergrund. Rezeptfreie Schmerzmittel können bei Bedarf und nach Rücksprache eingesetzt werden – Auswahl und Dauer nach Packungsbeilage und ärztlicher/pharmazeutischer Beratung. In manchen Fällen erwägen Ärztinnen und Ärzte Kortikoid-Injektionen in das Schultergelenk und begleitende, schmerzarme Physiotherapie. Frozen-Phase: konsequente Physiotherapie mit Dehnung; in schweren Fällen kommen Verfahren wie Narkosemobilisation oder eine arthroskopische Kapseleröffnung in Frage. Thawing-Phase: aktives Beweglichkeits-Training weiterführen.
Sowohl die Narkosemobilisation als auch operative Eingriffe an der Schulter haben Chancen und Risiken (unter anderem seltene, aber schwere Komplikationen wie Frakturen oder Nervenverletzungen). Ob solche Verfahren in Frage kommen, wird fachärztlich individuell entschieden – nach ausreichender konservativer Behandlung.
Wann Bildgebung sinnvoll ist
Bei typischem klinischem Bild reicht die körperliche Untersuchung. Wenn andere Ursachen ausgeschlossen werden müssen (zum Beispiel Sehnenriss der Rotatorenmanschette, Arthrose, in seltenen Fällen Tumor), kann ein Röntgenbild oder MRT sinnvoll sein. Beim reinen Frozen-Shoulder-Bild sind die Befunde in der Bildgebung oft unspezifisch; es ist eher eine klinische Diagnose.
Frozen Shoulder und Diabetes
Der Zusammenhang mit Diabetes ist beachtlich. Wer eine Frozen Shoulder entwickelt und noch keinen bekannten Diabetes hat, sollte einmal Nüchtern-Blutzucker und HbA1c ärztlich bestimmen lassen. Bei bekanntem Diabetes kann die Schulter zusätzlich schwieriger zu behandeln sein und braucht mehr Geduld.