Die Deutsche Hochdruckliga geht davon aus, dass in Deutschland zweistellig-Millionen Menschen einen erhöhten Blutdruck haben. Ein erheblicher Anteil davon weiß nichts davon, und auch unter den Behandelten sind viele nicht ausreichend eingestellt. Die Folgen einer unbehandelten Hypertonie können schwerwiegend sein: Schlaganfall, Herzinfarkt, Herzinsuffizienz, Nierenschwäche, Netzhautschäden.
Bei sehr hohen Blutdruckwerten (deutlich über 180 mmHg systolisch) in Kombination mit Brustschmerz, Atemnot, Lähmung, Sprachstörung, plötzlicher Sehstörung, Verwirrtheit oder einem Krampfanfall: sofort 112 wählen. Das kann Zeichen eines hypertensiven Notfalls mit Organschaden sein.
Ab wann ist der Blutdruck zu hoch
Als Hypertonie gelten in Deutschland üblicherweise wiederholt gemessene Werte ab 140/90 mmHg in der Praxis (bzw. entsprechend niedrigere Werte bei Selbstmessung zuhause oder in der 24-Stunden-Messung). Genaue Diagnose-, Grenz- und Zielwerte richten sich nach den jeweils aktuellen europäischen bzw. deutschen Leitlinien und werden individuell festgelegt – unter anderem in Abhängigkeit von Alter, Vorerkrankungen und weiteren Risikofaktoren. Für Menschen mit Diabetes können abweichende Ziele gelten; die konkrete Empfehlung erfolgt leitliniengerecht und individuell durch die behandelnde Praxis.
Werte über 180 mmHg systolisch ohne die oben genannten Alarmsymptome sollten nicht als Notfall, aber als dringend abzuklärender Befund verstanden werden: nach kurzer Ruhepause erneut messen, danach zeitnah eine hausärztliche oder internistische Praxis kontaktieren. Bei Unsicherheit: 116 117.
Der Blutdruck schwankt im Tagesverlauf und ist beim Arzttermin oft höher als zuhause (Weißkittel-Effekt). Aussagekräftig ist die Messung morgens und abends über sieben Tage jeweils zweimal im Sitzen nach fünf Minuten Ruhe, Ergebnisse notieren. Ein 24-Stunden-Blutdruckmessgerät gilt als Goldstandard für die Diagnosesicherung.
Was zunächst hilft (auch ohne Tabletten)
- Salzkonsum reduzieren: viele Fertigprodukte enthalten überraschend viel
- Regelmäßige Bewegung: mehrmals pro Woche moderate Ausdauerbelastung wie zügiges Gehen
- Gewicht: bereits eine moderate Gewichtsabnahme senkt den Blutdruck spürbar
- Alkohol reduzieren, Nikotin ganz vermeiden
- Stress-Management: Entspannungsverfahren, Yoga, Achtsamkeit haben moderate, messbare Effekte
Wann Medikamente
Wenn Lebensstil-Änderungen nicht ausreichen oder der Blutdruck schon deutlich erhöht ist, kommen Medikamente ins Spiel. Zur Auswahl stehen unter anderem ACE-Hemmer, AT1-Antagonisten (Sartane), Kalziumantagonisten, Diuretika und Betablocker. Viele Patienten brauchen eine Kombination aus zwei bis drei Wirkstoffen. Auswahl und Kombination erfolgen individuell nach Verträglichkeit, Begleiterkrankungen und Leitlinie.
Wann zur Kardiologin oder zum Kardiologen
Die meisten Fälle betreut die hausärztliche Praxis. Eine kardiologische Vorstellung ist zum Beispiel sinnvoll bei sehr hohem Blutdruck, bei jüngeren Menschen mit neu aufgetretener Hypertonie (Verdacht auf sekundäre Ursachen), bei Kombination mit Vorhofflimmern oder Herzinsuffizienz, bei schwer einstellbarem Druck trotz mehrerer Medikamente oder bei zusätzlichen Herzsymptomen (Brustenge, Atemnot bei Belastung).