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Herz & Kreislauf

Herzstolpern: harmlos oder Vorhofflimmern?

Das Herz macht plötzlich einen Extraschlag, setzt kurz aus, rast für ein paar Sekunden. Fast jeder hat das schon einmal gespürt. Meistens ist es harmlos. Aber es gibt eine Form, die man nicht übersehen sollte, weil sie das Schlaganfallrisiko deutlich erhöht.

Navoria Redaktion|Veröffentlicht 2. Januar 2026|Zuletzt redaktionell aktualisiert 5. Februar 2026| 6 Min. Lesezeit
EKG-Kurve, Motiv für Herzrhythmus

Der medizinische Fachbegriff für Herzstolpern ist Extrasystolen. Der Herzmuskel schlägt zusätzlich zum normalen Rhythmus, was oft als Aussetzer oder starker Einzelschlag wahrgenommen wird. Bei gesunden Menschen ist das in aller Regel ungefährlich. Anders sieht es aus, wenn das Stolpern länger anhält, unregelmäßig ist und mit Symptomen wie Schwindel oder Atemnot einhergeht.

Wann Herzstolpern harmlos ist

Vereinzelte Extraschläge, die man beim ruhigen Sitzen oder beim Einschlafen spürt, sind meist funktionell, also ohne krankhafte Ursache. Auslöser können Stress, Kaffee, Alkohol, wenig Schlaf, Nikotin oder eine Erkältung sein. Auch Elektrolytstörungen (Mangel an Kalium oder Magnesium) und eine Überfunktion der Schilddrüse können harmlose Rhythmusstörungen begünstigen.

Was Vorhofflimmern von Herzstolpern unterscheidet

Vorhofflimmern ist die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung. Beim Vorhofflimmern schlagen die Vorhöfe unkoordiniert, was zu einem völlig unregelmäßigen Puls führt. Typische Symptome sind ein wildes, chaotisches Herzgefühl, Atemnot bei Belastung, Schwindel oder Leistungsknick. Manche Betroffene haben aber gar keine Beschwerden; das Vorhofflimmern wird erst zufällig entdeckt oder durch einen Schlaganfall.

Das Schlaganfallrisiko

Beim Vorhofflimmern kann sich in den flimmernden Vorhöfen ein Blutgerinnsel bilden, mit dem Blutstrom ins Gehirn wandern und dort eine Arterie verschließen. Ein relevanter Anteil der Schlaganfälle geht auf Vorhofflimmern zurück. Ob eine gerinnungshemmende Therapie sinnvoll ist und mit welchem Wirkstoff, wird individuell nach anerkannten Risiko-Scores (zum Beispiel CHA₂DS₂-VA) fachärztlich entschieden.

So wird die Diagnose gestellt

Zunächst wird ein EKG geschrieben. Wenn der Rhythmus im Moment der Messung normal ist (was beim paroxysmalen Vorhofflimmern häufig der Fall ist), folgt ein Langzeit-EKG über 24 bis 72 Stunden, in schwierigen Fällen ein Event-Recorder oder ein implantierbarer Loop-Recorder für Wochen bis Monate. Moderne Smartwatches können Vorhofflimmern-Verdachtsfälle erkennen und werden zunehmend als Ergänzung genutzt, ersetzen aber kein ärztliches EKG.

Was passiert bei bestätigtem Vorhofflimmern

  • Gerinnungshemmung, wenn das Schlaganfallrisiko erhöht ist (nach Risiko-Score, fachärztliche Entscheidung)
  • Frequenzkontrolle mit Betablockern oder Kalziumantagonisten, damit das Herz nicht dauerhaft zu schnell schlägt
  • Rhythmuskontrolle mit Medikamenten oder Kardioversion (elektrischer Schock in Kurznarkose)
  • Bei anhaltenden Beschwerden oder jüngeren Patienten kann eine Katheterablation erwogen werden
  • Behandlung der Grundursachen: Bluthochdruck einstellen, Schilddrüse checken, Alkohol reduzieren, Gewicht optimieren, Schlafapnoe abklären

Wann Sie zum Arzt sollten

Ein einmaliges kurzes Stolpern nach zwei Espresso ist kein Grund für die Notaufnahme. Ein unregelmäßiges, wildes Herzklopfen über mehrere Minuten oder Stunden, wiederkehrende Episoden oder Herzstolpern in Kombination mit Leistungsknick sollten hausärztlich oder kardiologisch abgeklärt werden. Bei akuten Warnzeichen (siehe Notfallhinweis oben): 112.

Häufige Fragen

Kann Herzstolpern von Wechseljahren kommen?

Ja, hormonelle Umstellungen in den Wechseljahren führen bei vielen Frauen zu funktionellen Herzrhythmusstörungen und Palpitationen. Diese sind häufig gutartig, sollten aber einmalig kardiologisch abgeklärt werden, um andere Ursachen auszuschließen.

Sind Smartwatch-Warnungen verlässlich?

Sie sind besser geworden, aber nicht perfekt. Eine Smartwatch kann Verdachtsfälle aufdecken, die man sonst nie bemerkt hätte, produziert aber auch falsche Alarme. Jeder Verdacht sollte durch ein ärztliches EKG bestätigt werden.

Muss man Blutverdünner lebenslang nehmen?

Ob eine Blutverdünnung nach einer Ablation langfristig fortgeführt wird, richtet sich vor allem nach dem individuellen Schlaganfallrisiko und wird fachärztlich entschieden. Ein scheinbar normaler Herzrhythmus allein ist kein ausreichender Grund zum eigenständigen Absetzen.

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Quellen und Leitlinien

Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel ist eine informierende Aufbereitung und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei konkreten Beschwerden fragen Sie Ihren Haus- oder Facharzt.

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