Nach Daten der Techniker Krankenkasse ist die Zahl der Krankschreibungen wegen psychischer Erkrankungen in den letzten 20 Jahren deutlich gestiegen. Die Weltgesundheitsorganisation führt Burnout seit 2019 als „Faktor, der die Gesundheit beeinflusst" (ICD-11 Z-Kategorie), nicht als eigenständige Krankheit. Die Grenze zwischen chronischer Erschöpfung und einer klinischen Depression ist fließend.
Bei anhaltender Hoffnungslosigkeit, Suizidgedanken oder dem Gefühl, keinen Ausweg zu haben, holen Sie sich unmittelbar Hilfe. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr kostenfrei erreichbar: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222. Bei akuter Suizidalität oder Selbstgefährdung: sofort 112 wählen oder eine psychiatrische Klinik-Notaufnahme aufsuchen. Außerhalb der Praxiszeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117 weiter.
Die drei Kernbereiche
- Erschöpfung: bleierne Müdigkeit, die auch nach Wochenende oder Urlaub nicht weggeht
- Depersonalisation und Zynismus: emotionale Distanz zur Arbeit, Menschen und Aufgaben werden nur noch abgearbeitet
- Verringerte Leistungsfähigkeit: das Gefühl, nichts mehr auf die Reihe zu bekommen, obwohl man sich anstrengt
Dazu kommen oft körperliche Symptome: Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden, Rückenschmerzen, häufige Infekte, in manchen Fällen erhöhter Blutdruck. Wer sich in mehreren dieser Punkte wiedererkennt, sollte handeln, bevor sich eine ausgewachsene Depression entwickelt.
Der erste Schritt: hausärztliche Praxis
Die hausärztliche Praxis kann körperliche Ursachen ausschließen (Schilddrüsenunterfunktion, Anämie, Vitaminmangel), eine Krankschreibung ausstellen und Sie an die richtigen Stellen weiterleiten. Erste Anlaufstellen sind Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten mit Kassenzulassung, die psychosomatische Ambulanz eines Krankenhauses oder direkt eine Facharztpraxis für Psychiatrie. Die Erstsprechstunde bei einer psychotherapeutischen Praxis ist ohne Überweisung möglich.
Was langfristig hilft
Wesentliche Bausteine sind: Psychotherapie (die kognitive Verhaltenstherapie hat eine gute Evidenzlage), Klärung und gegebenenfalls Veränderung der Arbeitsbedingungen, ausreichender Schlaf, soziale Kontakte und – wenn medizinisch indiziert – eine stationäre Behandlung in einer psychosomatischen Klinik.
Regelmäßige Bewegung kann depressive Beschwerden lindern und eine Behandlung sinnvoll ergänzen. Sie ersetzt bei einer behandlungsbedürftigen Depression jedoch nicht automatisch Psychotherapie oder eine ärztlich empfohlene medikamentöse Behandlung. Wichtig ist: nicht warten, bis man am Boden liegt. Wer Warnzeichen früh ernst nimmt, kommt in der Regel mit weniger Aufwand wieder heraus.