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Psyche & Schlaf

Schlecht schlafen: wann sollte man zum Arzt?

Fast jeder hat mal eine schlechte Nacht. Wer aber über Wochen kaum in den Schlaf findet oder morgens völlig gerädert aufwacht, sollte das nicht wegdrücken. Schlafprobleme sind ein häufiger und ernst zu nehmender Grund für einen Arztbesuch.

Navoria Redaktion|Veröffentlicht 18. Januar 2026|Zuletzt redaktionell aktualisiert 5. Februar 2026| 6 Min. Lesezeit
Person wach im Bett bei Nacht, Motiv für Schlafstörungen

Nach Daten der DAK-Gesundheit klagen rund 80 Prozent der Berufstätigen in Deutschland gelegentlich über schlechten Schlaf. Bei etwa 10 Prozent liegt eine behandlungsbedürftige Schlafstörung vor. Die häufigsten Formen sind die Insomnie (Ein- und Durchschlafstörung) und das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom.

Wann ist der Schlaf ein Problem

Als behandlungsbedürftige Insomnie gilt, wenn an mindestens drei Nächten pro Woche für mehr als drei Monate der Schlaf gestört ist und das Wohlbefinden am Tag darunter leidet. Wer nach einer stressigen Woche mal eine Nacht wach liegt, ist noch weit davon entfernt.

Diese Warnzeichen sind kein Zufall

Wer nachts laut und unregelmäßig schnarcht, mit Atemaussetzern, morgens wie gerädert aufwacht und tagsüber am Steuer fast einschläft, hat vermutlich eine Schlafapnoe. Das ist keine Bagatelle: Unbehandelt steigt das Risiko für Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall deutlich.

Erste Anlaufstelle: der Hausarzt

Der Hausarzt klärt die häufigsten Ursachen ab: Depression, Angststörung, chronischer Schmerz, unruhige Beine (Restless Legs), Blutdruckentgleisungen oder Wechseljahresbeschwerden. Auch Alkohol, Koffein am Abend und Medikamente können den Schlaf empfindlich stören. Der klassische Griff zu Schlaftabletten (Benzodiazepine, Z-Substanzen) ist meist die schlechteste Lösung: nach zwei bis vier Wochen droht Abhängigkeit.

Kognitive Verhaltenstherapie ist erste Wahl

Für die Insomnie ist die kognitive Verhaltenstherapie (KVT-I) laut aktueller Schlafmedizin-Leitlinie die erste Wahl. Sie beinhaltet Aufklärung über Schlaf, Regeln zur Schlafhygiene, Entspannungsverfahren und paradoxe Interventionen wie die Schlafrestriktion. Erste Anlaufstellen sind Psychotherapeuten mit entsprechender Zulassung sowie digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA), die inzwischen unter bestimmten Voraussetzungen ärztlich verordnet und von den Krankenkassen erstattet werden können. Ob eine konkrete Anwendung für Sie in Frage kommt, klären Sie mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Krankenkasse.

Wenn der Verdacht auf Schlafapnoe besteht

Der Weg führt über den Hausarzt zur HNO- oder Schlafmedizin-Praxis. Zunächst wird meist ein ambulantes Screening durchgeführt (Polygraphie zuhause), gefolgt von einer Nacht im Schlaflabor bei begründetem Verdacht. Bestätigt sich die Diagnose, ist die Standardtherapie eine CPAP-Maske, die nachts einen leichten Überdruck erzeugt und die Atemwege offen hält. Klingt unbequem, ist es die ersten Nächte auch, aber die meisten Betroffenen berichten nach ein paar Wochen von einer neuen Lebensqualität.

Was jeder selbst versuchen kann

  • Feste Aufstehzeit auch am Wochenende, egal wie kurz die Nacht war
  • Kein Koffein nach 14 Uhr, kein Alkohol als „Schlaftrunk"
  • Bildschirme mindestens 30 Minuten vor dem Zubettgehen aus
  • Schlafzimmer kühl, dunkel und still
  • Bei mehr als 20 Minuten wach im Bett aufstehen und in einem anderen Raum etwas Ruhiges tun

Häufige Fragen

Sind Melatonin-Präparate sinnvoll?

Bei kurzzeitigen Störungen wie Jetlag kann Melatonin nach individueller Prüfung eine Rolle spielen. Bei chronischer Insomnie ist die Datenlage insgesamt schwach. Auch frei verkäufliches Melatonin kann Nebenwirkungen und Wechselwirkungen verursachen und ist nicht für jede Person geeignet. Bei anhaltenden Schlafproblemen, Schwangerschaft, Vorerkrankungen oder regelmäßiger Medikamenteneinnahme sollte die Anwendung vorher ärztlich oder pharmazeutisch abgeklärt werden. Melatonin ersetzt in keinem Fall die Ursachenklärung.

Wie viel Schlaf ist normal?

Erwachsene brauchen im Schnitt 7 bis 8 Stunden. Es gibt aber echte Kurz- und Langschläfer, die mit 6 oder 9 Stunden gut zurechtkommen. Entscheidend ist nicht die Uhr, sondern das Befinden am Tag.

Wann in ein Schlaflabor?

Bei Verdacht auf Schlafapnoe, ungeklärter Tagesmüdigkeit trotz ausreichender Schlafdauer, Verdacht auf Restless-Legs mit periodischen Beinbewegungen oder auffälligen Ergebnissen der ambulanten Voruntersuchung. Die Zuweisung erfolgt über den Haus- oder HNO-Arzt.

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Quellen und Leitlinien

Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel ist eine informierende Aufbereitung und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei konkreten Beschwerden fragen Sie Ihren Haus- oder Facharzt.

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