Nach Daten der DAK-Gesundheit klagen rund 80 Prozent der Berufstätigen in Deutschland gelegentlich über schlechten Schlaf. Bei etwa 10 Prozent liegt eine behandlungsbedürftige Schlafstörung vor. Die häufigsten Formen sind die Insomnie (Ein- und Durchschlafstörung) und das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom.
Wann ist der Schlaf ein Problem
Als behandlungsbedürftige Insomnie gilt, wenn an mindestens drei Nächten pro Woche für mehr als drei Monate der Schlaf gestört ist und das Wohlbefinden am Tag darunter leidet. Wer nach einer stressigen Woche mal eine Nacht wach liegt, ist noch weit davon entfernt.
Wer nachts laut und unregelmäßig schnarcht, mit Atemaussetzern, morgens wie gerädert aufwacht und tagsüber am Steuer fast einschläft, hat vermutlich eine Schlafapnoe. Das ist keine Bagatelle: Unbehandelt steigt das Risiko für Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall deutlich.
Erste Anlaufstelle: der Hausarzt
Der Hausarzt klärt die häufigsten Ursachen ab: Depression, Angststörung, chronischer Schmerz, unruhige Beine (Restless Legs), Blutdruckentgleisungen oder Wechseljahresbeschwerden. Auch Alkohol, Koffein am Abend und Medikamente können den Schlaf empfindlich stören. Der klassische Griff zu Schlaftabletten (Benzodiazepine, Z-Substanzen) ist meist die schlechteste Lösung: nach zwei bis vier Wochen droht Abhängigkeit.
Kognitive Verhaltenstherapie ist erste Wahl
Für die Insomnie ist die kognitive Verhaltenstherapie (KVT-I) laut aktueller Schlafmedizin-Leitlinie die erste Wahl. Sie beinhaltet Aufklärung über Schlaf, Regeln zur Schlafhygiene, Entspannungsverfahren und paradoxe Interventionen wie die Schlafrestriktion. Erste Anlaufstellen sind Psychotherapeuten mit entsprechender Zulassung sowie digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA), die inzwischen unter bestimmten Voraussetzungen ärztlich verordnet und von den Krankenkassen erstattet werden können. Ob eine konkrete Anwendung für Sie in Frage kommt, klären Sie mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Krankenkasse.
Wenn der Verdacht auf Schlafapnoe besteht
Der Weg führt über den Hausarzt zur HNO- oder Schlafmedizin-Praxis. Zunächst wird meist ein ambulantes Screening durchgeführt (Polygraphie zuhause), gefolgt von einer Nacht im Schlaflabor bei begründetem Verdacht. Bestätigt sich die Diagnose, ist die Standardtherapie eine CPAP-Maske, die nachts einen leichten Überdruck erzeugt und die Atemwege offen hält. Klingt unbequem, ist es die ersten Nächte auch, aber die meisten Betroffenen berichten nach ein paar Wochen von einer neuen Lebensqualität.
Was jeder selbst versuchen kann
- Feste Aufstehzeit auch am Wochenende, egal wie kurz die Nacht war
- Kein Koffein nach 14 Uhr, kein Alkohol als „Schlaftrunk"
- Bildschirme mindestens 30 Minuten vor dem Zubettgehen aus
- Schlafzimmer kühl, dunkel und still
- Bei mehr als 20 Minuten wach im Bett aufstehen und in einem anderen Raum etwas Ruhiges tun