In Deutschland leiden nach Angaben der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft rund 8 Millionen Menschen unter Migräne. Der Spannungskopfschmerz ist noch häufiger; er trifft irgendwann fast jeden. Beide Formen lassen sich meist gut auseinanderhalten, wenn man auf die Details achtet.
Ein plötzlich einsetzender, extrem starker Kopfschmerz („Vernichtungskopfschmerz"), Kopfschmerz mit Nackensteife und Fieber, Kopfschmerz nach Kopfverletzung oder mit neurologischen Ausfällen (Lähmung, Sprachstörung, plötzliche Sehstörung, Verwirrtheit, Krampfanfall) ist keine normale Attacke. In diesen Fällen sofort 112 wählen oder direkt in die Notaufnahme.
Der Unterschied im Alltag
Ein Spannungskopfschmerz fühlt sich dumpf und drückend an, meist beidseitig, oft wie ein zu enger Helm oder ein Band um den Kopf. Die Intensität ist leicht bis mittel. Man kann in der Regel weiter arbeiten. Bewegung macht die Beschwerden nicht schlimmer. Übelkeit tritt kaum auf.
Eine Migräne dagegen ist pulsierend, oft einseitig, mittel bis stark. Bewegung verstärkt den Schmerz. Licht, Geräusche und manchmal auch Gerüche werden unangenehm. Übelkeit, teils Erbrechen, gehören häufig dazu. Eine Attacke dauert unbehandelt vier Stunden bis drei Tage. Bei rund einem Drittel der Betroffenen kündigt sich eine Migräne mit einer Aura an: Sehstörungen, Flimmern, seltener Kribbeln in Arm oder Gesicht.
Notieren Sie über vier Wochen jede Kopfschmerz-Attacke: Zeitpunkt, Dauer, Stärke (Skala 0 bis 10), begleitende Symptome, mögliche Auslöser (Schlafmangel, Menstruation, Wetterwechsel, bestimmte Lebensmittel), eingenommene Medikamente. Diese Aufzeichnung ist beim Neurologen viel wert und beschleunigt die richtige Diagnose.
Was in der akuten Attacke hilft
Beim Spannungskopfschmerz können rezeptfreie Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol helfen. Auswahl und Dosierung richten sich nach Packungsbeilage, Alter, Gewicht, Vorerkrankungen und Begleitmedikation. Auch Bewegung an der frischen Luft und ausreichend Flüssigkeit können lindern. Wichtig: Schmerzmittel gegen Kopfschmerzen sollten nicht an mehr als 10 Tagen pro Monat eingenommen werden, sonst droht ein Medikamenten-Übergebrauchskopfschmerz.
Bei Migräne wirken einfache Schmerzmittel oft nicht ausreichend. Die Standardtherapie der Migräneattacke sind sogenannte Triptane (zum Beispiel Sumatriptan). Einige Präparate sind in Deutschland unter bestimmten Voraussetzungen (Wirkstoff, Dosis, Packungsgröße) rezeptfrei erhältlich, andere nur auf Rezept. Ob Triptane für Sie geeignet sind – etwa mit Blick auf Herz-Kreislauf-Vorerkrankungen, Schwangerschaft oder Wechselwirkungen – sollte vorab ärztlich geklärt werden. Genauere Angaben zum aktuellen Zulassungsstatus einzelner Wirkstoffe finden Sie in der Fachinformation und beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM).
Prophylaxe: wann und wie
Wer mehr als drei bis vier Migräne-Attacken pro Monat hat oder deren Attacken über 48 Stunden dauern, sollte eine medikamentöse Prophylaxe ärztlich besprechen. In Frage kommen unter anderem bestimmte Betablocker, Topiramat, Amitriptylin sowie CGRP-Antikörper. Nicht-medikamentös können Ausdauertraining, Entspannungsverfahren wie progressive Muskelrelaxation, geregelter Schlaf und das Vermeiden individueller Auslöser helfen.