Fieber ist definiert als eine Körpertemperatur ab 38,5 Grad rektal gemessen. Werte zwischen 37,5 und 38,4 gelten als erhöhte Temperatur. Fieber ist keine Krankheit, sondern eine Reaktion. Es hilft dem Körper, Erreger effektiver zu bekämpfen. Sinn und Zweck ist also nicht die möglichst schnelle Senkung, sondern die Sicherheit, dass das Kind es gut übersteht.
Was zählt ist der Zustand, nicht die Zahl
Ein Kind mit 39,5 Grad, das trinkt, ansprechbar ist und sich zwischendurch für sein Kuscheltier interessiert, ist meist weit weniger besorgniserregend als ein blasses, apathisches Kind mit 38,2 Grad. Der Allgemeinzustand ist wichtiger als der Wert am Thermometer.
Bei einem Fieberkrampf, der länger als fünf Minuten anhält, bei Bewusstseinsstörung, Atemnot, blauen Lippen, punktförmigen Blutungen unter der Haut (Petechien, die auf Druck nicht verblassen) oder Nackensteife: sofort den Rettungsdienst unter 112 rufen. Säuglinge unter 3 Monaten mit Temperatur ab 38 Grad müssen umgehend ärztlich vorgestellt werden.
Bei Trinkverweigerung länger als 8 Stunden, Fieber über 40 Grad, Fieber, das länger als 3 Tage anhält, wiederholtem Erbrechen oder ungewöhnlichem Ausschlag: zeitnah in einer kinder- oder hausärztlichen Praxis vorstellen. Außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117 weiter.
Wie man Fieber richtig misst
Bei Kindern unter zwei Jahren ist die rektale Messung mit einem digitalen Thermometer am zuverlässigsten. Bei älteren Kindern kann auch im Ohr oder unter der Zunge gemessen werden, allerdings mit möglichen Abweichungen. Achselmessungen sind ungenau. Stirn-Infrarot-Thermometer sind zwar bequem, geben aber tendenziell niedrigere Werte an.
Was Eltern zuhause tun können
- Ausreichend zu trinken anbieten – entsprechend Durst und Alter (Wasser, Tee, verdünnte Säfte, bei Säuglingen weiter stillen)
- Leichte Kleidung, Zimmer nicht überheizt (18 bis 20 Grad)
- Wadenwickel nur bei warmen Beinen und wenn das Kind es zulässt
- Fiebersenker nur bei sichtbarem Leiden und nach Rücksprache mit Kinderärztin, Kinderarzt oder Apotheke – Dosierung nach Körpergewicht, Alter und Packungsbeilage; maximale Einzel- und Tagesdosis nicht überschreiten
- Ruhe, Kuscheln, keine Aktivitäten erzwingen
Fiebersenkende Medikamente sollten bei Kindern nach Körpergewicht, Alter und Packungsbeilage beziehungsweise nach ärztlicher oder pharmazeutischer Empfehlung dosiert werden. Die maximale Einzel- und Tagesdosis darf nicht überschritten werden. Ibuprofen ist nicht für jedes Alter und nicht in jeder Krankheitssituation geeignet – zum Beispiel bei Säuglingen unter 3 Monaten, bei Austrocknung, eingeschränkter Nierenfunktion oder bestimmten Infektionen wie Windpocken kann es ungeeignet sein. Paracetamol und Ibuprofen sollten nicht routinemäßig abgewechselt werden, weil das die Fehlerrate erhöht. Acetylsalicylsäure (Aspirin) darf Kindern und Jugendlichen mit fieberhaften Erkrankungen nur auf ausdrückliche ärztliche Anweisung gegeben werden, da das seltene, aber schwere Reye-Syndrom auftreten kann.
Fieberkrampf: erschreckend, meist harmlos
Etwa 3 bis 5 Prozent aller Kinder erleben einen Fieberkrampf, meist zwischen dem 6. Lebensmonat und dem 5. Lebensjahr. Für Eltern ist der Anblick furchtbar, das Kind zuckt, verdreht die Augen, ist kurz nicht ansprechbar. Ein einfacher Fieberkrampf ist meist nach 1 bis 3 Minuten von selbst vorbei. Dauert er länger als fünf Minuten, tritt er wiederholt auf oder bleibt das Kind danach ungewöhnlich schläfrig oder verwirrt: sofort 112. Der erste Fieberkrampf sollte immer ärztlich abgeklärt werden, um schwerere Ursachen (Meningitis, Enzephalitis) auszuschließen.
Bereitschaftsdienst und Notaufnahme
Wenn tagsüber Sorge besteht, ist die kinderärztliche Praxis die erste Adresse. Abends und am Wochenende hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117; dort wird kinderärztliche Vermittlung koordiniert. In akuten Notlagen (Atemnot, Bewusstseinsstörung, Fieberkrampf länger als 5 Minuten, Kreislaufschwäche): sofort 112 oder direkt in die Kinder-Notaufnahme.