Ein Hörsturz ist eine plötzliche, meist einseitige Hörminderung ohne erkennbare äußere Ursache. Nach Einschätzung der HNO-Fachgesellschaften betrifft er in Deutschland eine niedrige fünfstellige Zahl an Menschen pro Jahr. Der Altersgipfel liegt zwischen 40 und 60, aber auch Jüngere können betroffen sein. In vielen Fällen bleibt die Ursache unklar; diskutiert werden Durchblutungsstörungen, virale Entzündungen und Stress als möglicher Auslöser.
Halbseitige Lähmung, plötzliche Sprachstörungen, herabhängender Mundwinkel, plötzliche Doppelbilder, ausgeprägter Drehschwindel mit Bewusstseinsstörung: das können Zeichen eines Schlaganfalls sein. Sofort 112 wählen – jede Minute zählt.
Wie sich ein Hörsturz anfühlt
Plötzliche Verschlechterung des Hörens auf einem Ohr, oft mit dem Gefühl, „Watte im Ohr" zu haben. Häufig verbunden mit Ohrensausen (Tinnitus), manchmal Schwindel, seltener leichter Druck. Wichtig zur Abgrenzung: keine typischen Ohrenschmerzen (dann eher Mittelohrentzündung) und keine plötzliche Ertaubung als Folge einer akuten Verletzung oder eines lauten Knalls.
Ein Hörsturz sollte zeitnah in einer HNO-Praxis abgeklärt werden. Ein früher Beginn der Behandlung wird in aktuellen Leitlinien empfohlen. Konkrete Fristangaben und Empfehlungen finden Sie in der aktuellen S1-Leitlinie „Idiopathischer Hörsturz".
Untersuchung beim HNO-Arzt
Zuerst wird das Ohr inspiziert (Ohrspiegelung), um mechanische Ursachen wie einen großen Ohrenschmalzpfropf auszuschließen. Es folgen ein Hörtest (Tonschwellenaudiometrie), eine Tympanometrie (Prüfung des Trommelfells) und eventuell weitere Tests. Bei anhaltender Symptomatik oder Verdacht auf andere Ursachen (zum Beispiel Akustikusneurinom) kann ein MRT sinnvoll sein.
Behandlung wird individuell entschieden
In der Regel wird bei einem idiopathischen Hörsturz eine Kortison-Therapie erwogen – oral oder als Infusion. Bei ausbleibender Besserung kann eine intratympanale Injektion durch das Trommelfell erwogen werden. Ob und in welcher Form Kortison bei Ihnen sinnvoll ist, welche Dosierung geeignet ist und wie lange behandelt werden sollte, wird ärztlich individuell abgewogen. Vorerkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck oder Infektionen können die Auswahl beeinflussen. Frühere Standard-Infusionen mit Hydroxyethylstärke (HAES) werden heute nicht mehr empfohlen.
Was mit dem Tinnitus wird
Bei einem Teil der Betroffenen bleibt ein Tinnitus zurück, teils leicht, teils belastend. Behandlungsoptionen sind Beratung und Aufklärung (Tinnitus-Counseling), Verhaltenstherapie, Hörgeräte-Anpassung bei bleibender Hörminderung sowie Entspannungsverfahren. Ein chronischer Tinnitus ist häufig gut bewältigbar, auch wenn er nicht immer vollständig verschwindet.